Mittwoch, 17. Dezember 2008

Lady in bordeaux

Ihre Lippen in ein blasses bordeaux getaucht. Ein schwacher Strahl der von Spinnnetzen gedämpft wird erhellt ihre Silhouette. Das dunkelblaue Satinkleid endet kurz über den Knien. Ihr ausufernder Hut hüllt eine Gesichtshälfte in Schatten. Sie bläßt langsam Rauch aus und wartet.
Wie eine leichte Dame sieht sie nicht aus. Zu edel, zu elegant, zu teuer. Aber was hat sie in diesem Departement zu suchen? Viel zu gefährlich für eine einsame Lady, gerade um diese Uhrzeit.
Trotzdem traut sich kein Abschaum sie auch nur anzuschauen. Wie Silberfische meiden sie das Licht das von ihr ausgeht und für das die Nacht kein Maßstab ist.
Das behäbige Knattern eines schweren Motors nähert sich gemächlich. Scheinwerfer die größer werden. Eine Limousine. Sie hält direkt vor ihren Beinen. Von innen öffnet ein weißer Handschuh die Tür. Ohne Eile zieht sie an ihrer Zigarette, schnippt sie, als die Glut den Filter erreicht, in einen Gulli. Sie hält kurz inne. Scheinbar starrt sie in seine Richtung. Diagonal in den Himmel. Zum Dach einer stillgelegten Brauseherstellers. Er rührt sich nicht, wie in Totenstarre. Kurz meint er ihren Blick zu spüren. Nur das Knattern des V8 und umherschwirrende Fledermäuse. Sie steigt ein. Der Motor heult kurz auf, dann presst er die Reifen auf den Asphalt.
Ein paar Blocks begleitet er den Wagen, dann verliert er das Interesse. Es gibt wichtigeres zu erledigen.
Müllmann spielen, wie jede Nacht. Und doch: ihr Blick war keine Einbildung. Wenn sie ihn nicht gesehen hat, dann wohl gespürt.

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